Bild von Susanne Uelhoff mit Ihrem Schimmel "Odin" in ejner ländlichen Umgebung in der Aachener Eifel.
Reiter-in und Pferd bilden bestenfalls eine Einheit.

Mein Berberjungpferd „Odin“ , Jahrgang 2024

Als langjährige Reiterin und Pferdebesitzerin hat mich der Zusammenhang zwischen der funktionalen Beweglichkeit des Reiters und des Pferdes schon immer interessiert. Die Pferdebesitzer*innen unter uns kennen es – man steckt viele Ressourcen in die korrekte Gymnastizierung des Pferdes, lässt das Pferd bei Verdacht auf Blockaden regelmäßig von unterschiedlichsten Therapeuten kontrollieren und passt das Equipment bei Veränderungen sofort an.

Mich hat die Frage beschäftigt, inwiefern wir als Reiter das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd durch unsere eigenen Dysfunktionen und Blockaden beeinflussen. Das soll nicht heißen, dass das vorher Genannte nicht notwendig ist. Aber es lohnt sich oft, einen Blick auf die andere Seite der Verbindung zu werfen.
Pferde sind unheimlich feinfühlig, sowohl was unsere körperliche Funktionalität betrifft als auch unser mentales Gleichgewicht.
So kann die Osteopathie beim Reiter unabhängig der Sparte sowohl im Leistungssport als auch im Freizeitbereich hilfreich sein.


Körperliches Befinden des Reiters

Blockaden im Körper des Reiters können Veränderungen der Bewegungen und Statik des Reiters bewirken. Die entstehenden Festigkeiten des Gewebes wiederum beeinflussen das harmonische Miteinander zwischen Reiter und Pferd.
Das fängt zum Beispiel dabei an, dass man schlecht geschlafen hat, sich im Schulter-Nacken Bereich verspannt fühlt und plötzlich beim Reiten nicht mehr abwenden kann.
Natürlich muss das nicht immer eine akute Veränderung sein. Auch Rittigkeitsprobleme wie z. B. Schwierigkeiten beim Angaloppieren können auf Dysfunktionen von Seiten des Reiters zurückgeführt werden. Oft entsteht eine Art Spirale, bei der sich Pferd und Reiter gegenseitig daran hindern in die funktionale Bewegung zu kommen (Reiter sitzt schief – natürliche Schiefe des Pferdes verstärkt ungleichmäßige Ausrichtung des Reiters – Pferd tritt am Schwerpunkt vorbei – Reiter wird noch schiefer gesetzt – es wird fast unmöglich in den Neutralzustand zurück zu gelangen).

Wie kann Osteopathie Pferd und Reiter helfen?

Eine osteopathische Behandlung kann dem Reiter helfen, seine körperlichen Schwachstellen zu
erkennen und zu beheben. Dadurch wird ein harmonisches Reiten wieder möglich und die
Hilfengebung z.B. beim Angaloppieren oder in Seitengänge gelingen besser.

Wie Osteopathen vorgehen:

  1. Erkennen des Problems:

    Der Osteopath erkennt, warum der Reiter schief sitzt und der Bewegungsablauf gestört ist.

  2. Bewusste Korrektur:

    Der Reiter korrigiert seine Haltung bewusst, damit sich das Pferd an der neuen, geraden Haltung orientiert. Ggf. findet auch erstmal eine Überkorrektur statt.

  3. Neues Bewegungsgefühl:

    Pferd und Reiter finden gemeinsam zu einem neuen, harmonischen Bewegungsablauf zurück.

Mentales Befinden des Reiters

Neben der körperlichen Funktionalität hat auch das mentale Befinden einen großen Einfluss auf unsere Kommunikation mit dem Pferd. Pferde spüren unsere Emotionen, indem sie kleinste Reaktionen unseres Körpers wahrnehmen. Selbst wenn wir uns gut zureden, wird in einer für uns angsteinflößenden Situation (Reiten nach einem Sturz, Reiten im Rahmen einer Beurteilung wie z.B. bei Turnieren etc.,) unser Körper in einen wachsamen Stresszustand versetzt. Das Herz schlägt schneller, die Hände werden schwitzig, die Schultern ziehen sich zusammen – auch wenn wir das noch nicht wahrnehmen, hat unser Pferd das von Beginn an registriert.
Das kann dazu führen, dass das Pferd in einer Wettkampfsituation (oder auch Alltagssituation) die Spannung des Reiters übernimmt und weniger durchlässig ist. Das Pferd folgt der Anspannung des Reiters, körperlich und mental. Die Harmonie, die Leichtigkeit und der Ausdruck der Bewegung
leiden.
Oder in einer Situation nach einem Sturzereignis wird das Pferd unruhig, weil es unsere Anspannung fühlt. Unser Körper vergisst nichts. Auch wenn wir uns mental stark fühlen, kann der Körper durch ein traumatisches Ereignis (z. B. Sturz) eine Stressreaktion durchlaufen, die das Pferd wiederum aufnimmt.

Mithilfe der osteopathischen Behandlung kann ich diese Stressreaktion auflösen und dabei unterstützen, schwierige/herausfordernde Situationen im Reitsport zu bewältigen
Hier bietet die psychosomatische Osteopathie verschiedene Tools, um z.B. belastende Erinnerungen/Ereignisse zu integrieren, so dass der Reiter oder derjenige, der mit dem Pferd umgeht weniger in die Stressreaktionen kommt. Dies führt dazu, dass das Pferd wiederum entspannter ist. Es kann bei Wettkämpfen bessere Leistung erbringen, Spaziergänge mit dem Pferd und das Verladen u.ä. kann entspannter sein.

Mein Isländer, Jahrgang 1993